101 Reverse Mentoring – Was ist das und warum brauchen wir es?

Oktober 31, 2016

WAS IST REVERSE MENTORING?

Reverse Mentoring ist ein innovativer Social Learning Ansatz um Führungskräften die Themen Social Business Collaboration und Social Media näher zu bringen. Dabei kehren sich die klassischen Rollen um, die man üblicherweise aus einem Mentoring Verhältnis kennt. Die erfahrene Führungskraft schlüpft in die für sie ungewohnte Rolle des Schülers (Mentee), während der junge Mitarbeiter als Digital Native zum Lehrer und Ratgeber (Mentor) wird. Gerade aufgrund dieser untypischen Rollenverteilung entwickelt der Ansatz eine ungewohnt starke Dynamik. Als attraktives Lernformat bietet Reverse Mentoring neben bereits bestehenden Social Business Lernformaten wie MOOCs (Massive-Open-Online-Courses), BarCamps oder auch Learning Journeys eine weitere Möglichkeit, digitales Lernen erlebbar zu machen. Einen Überblick zur genaueren Einordnung von Reverse Mentoring als Lernformat bieten an der Stelle die Social Business Lernlandschaften:


Quelle:
Social-Business-Lernlandschaften der Universität St. Gallen

WARUM BRAUCHEN WIR ES?

Die Notwendigkeit eines Reverse Mentoring Programms ergibt sich vor allem aus der digitalen Transformation, die seit einigen Jahren Einzug in die Unternehmen hält. Das hierfür benötigte Wissen deckt die ältere Generation mit ihrem Erfahrungsschatz oftmals nicht ab. Der junge Mitarbeiter wiederum kennt sich mit den digitalen Themen in der Regel sehr gut aus und unterstützt so die Führungskraft, die Social Media und Social Business Collaboration-Welt innerhalb und außerhalb des Unternehmens kennenzulernen und besser zu verstehen. Offenheit, Vertrauen, Respekt und die gegenseitige Bestärkung des Anderen dienen dabei als Grundlage im Umgang miteinander. Reverse Mentoring ist auch besser als ein trockener Workshop, da man durch den direkten Austausch untereinander ganz anders lernt als mit einer Powerpoint- Präsentation. In klassischen Qualifizierungsveranstaltungen trauen sich viele Führungskräfte nicht, bestimmte Fragen zu stellen. Unter vier Augen ist die Hemmschwelle dafür deutlich geringer. Ein weiterer Vorteil ist die flexible inhaltliche und zeitliche Gestaltung des Programmablaufs.

PROGRAMMAUFBAU UND INHALTE

Das Programm selbst findet über einen Zeitraum von 4-6 Monaten statt. In dieser Zeit bietet die Mentor-Mentee Konstellation den Führungskräften einen geschützten Raum, um sich den Themen Social Media und Social Business Collaboration in einer 1:1 Situation zu nähern. Mentor und Mentee können so gemeinsam, über das Ausprobieren von Handlungsoptionen, ihr Wissen miteinander teilen. Für die einzelnen monatlichen Sessions erhält jedes Mentoring-Paar einen maßgeschneiderten Sessionplan mit Vorschlägen zu diversen digitalen Themen, die gemeinsam bearbeitet werden können. Zur inhaltlichen Orientierung erhalten die Teilnehmer kurze Tutorials an die Hand oder erstellen diese selbst. Diese sind flexibel gestaltbar und beinhalten exemplarisch folgende Themenbereiche:

  • Social Media Begrifflichkeiten, Einblicke und Prinzipien
  • Social Media und Social Business Collaboration Einsatzbereiche im eigenen Unternehmen
  • Einblicke in das unternehmenseigene Social Intranet
  • Praxisorientierte Social Business Collaboration Funktionsweisen
  • Social Business Collaboration Anwendungsmöglichkeiten für Führungskräfte

Letzteres bietet der Führungskraft die Möglichkeit sich auf zukünftige Anwendungsfälle im eigenen Verantwortungsbereich vorzubereiten. Abgerundet wird das Programm durch gemeinsame Präsenzveranstaltungen zu Beginn, zur Halbzeit und zum Ende des Reverse Mentorings.

WELCHEN NUTZEN BIETET REVERSE MENTORING?

Mit Blick auf den digitalen Wandel bietet Reverse Mentoring eine wertvolle Chance, den Generationenkonflikt zwischen älteren und jüngeren Mitarbeitern einzudämmen und so einen Dialog zu ermöglichen. Führungskräfte können von den Erfahrungen der Mentoren profitieren und in interessanten Gesprächen erfahren, was junge Leute denken und wie sie außerhalb des Unternehmens mit Social Media umgehen. Zudem bietet sich die Gelegenheit, das eigene Arbeitsumfeld und das eigene Rollenverständnis aus Sicht eines jungen Mitarbeiters zu reflektieren. Der Führungskraft wird ermöglicht, die frischen Perspektiven der Chefs von morgen, damit schon heute frühzeitig für sich zu nutzen. Den Mentoren bringt das Programm ebenfalls Vorteile. Sie erhalten die Gelegenheit aktiv an der digitalen Revolution im Unternehmen mitzuwirken und so die Zukunft des Unternehmens mitzugestalten. Das wiederum stärkt das Verbundenheitsgefühl zum eigenen Unternehmen. Außerdem wird das eigene berufliche Netzwerk erweitert und die eigenen Kompetenzen weiterentwickelt. Die Zusammenarbeit und der gegenseitige Austausch werden von allen Beteiligten als effektiv, erfrischend und inspirierend wahrgenommen, was erheblich zur Steigerung des Spaßfaktors am Reverse Mentoring beiträgt.

REVERSE MENTORING HISTORIE

Auch wenn in Europa noch nahezu unbekannt, ist Reverse Mentoring bei Weitem kein neuer Ansatz. Ursprünglich entstanden aus der Idee von Jack Welsh, ehemaliger CEO von General Electric, ist dieses attraktive Lernformat in den USA zu einem festen Bestandteil der Personal- und Organisationsentwicklung geworden. Das belegen unter anderem Beispiele von General Electric, IBM, HP, Dell und Cisco. In Deutschland haben Unternehmen wie die Deutsche Telekom AG, Lufthansa, Merck oder Bosch, ebenfalls bereits erfolgreiche Reverse Mentoring Programme aufgesetzt und durchgeführt. Diese und andere Programme werden in der Zukunft unumgänglich werden, um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben und jungen potentiellen Mitarbeitern einen attraktiven Arbeitsplatz anzubieten. 

 

profilbild-milos-2Milos Vujnovic, der an der Universität Stuttgart technisch orientierte Betriebswirtschaftslehre studiert hat, arbeitet seit 2010 als Social Business Berater. Im September 2016 wechselte er zum Berliner Social Business Beratungs- und Technologieanbieter Pokeshot, wo er sich mit seiner umfangreichen Expertise bezüglich Social Collaboration und User Adoption einbringt. Er berät dabei Unternehmen bei der Optimierung ihrer Change Management Maßnahmen sowie der Befähigung zur Nutzung von Social Collaboration Anwendungen und Praktiken. Zudem ist er verantwortlich für die Konzeption und Durchführung von Reverse-Mentoring-Programmen für Führungskräfte, um diese in digitaler Führung fit zu machen. Er besitzt außerdem umfangreiche Kenntnisse über verschiedenste Studien zum aktuellen Stand von Social Business.

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